RostMondOrchestra & The Blowing Santa Clauses

Irritiert, verwirrt und verunsichert

Datum: Montag  23.  Dezember  2019  um 20.00 Uhr
Veranstaltungsort:Jazzclub im Leeren Beutel
Veranstalter:Jazzclub Regensburg e.V.
Besetzung:Sepp Fischer – trb, voc
Bertl Wenzl – sax
Rainer J. Hofmann – p, acc
Tom Eyiip – g
Markus Hierl – g
Michael Straube – b
Dirk Pätzold – dr
Abendkasse23.00 €
Vorverkauf20.00 €
Jazzclub Mitglieder, Schüler & Studenten mit Ausweis an der Abendkasse14.00 €
Jazzclub Mitglieder, Schüler & Studenten mit Ausweis im Vorverkauf12.00 €

Wer Ostern kennt, kann an Weihnachten eigentlich nicht richtig lachen.

Das abstrakt Göttliche, welches uns bisweilen ratlos bis blasiert dastehen lässt, welches uns gewissermaßen hineingewürfelt hat in einen Kosmos der Dramen, stellt uns eins ums andere Mal auf die harte Probe der Vielleichtigkeiten. Worum geht es konkret, fragt der in der Regel ungeduldige Leser sowie alle seine weiteren geschlechtlichen Ausprägungen. Wohin mit so viel theodizeeistischem Allgemeinplatz?

Scio nescio“, nur zwei Wörtchen soliden Lateins, ins Deutsche gebracht als „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, die wir uns wie Sieben-Meilen-Stiefel anziehen können, um darauf durchs Dasein zu rauschen, hinan (bzw. hinab, nach Gusto) zum Nicht-mehr-Dasein, diese zwei Wörtchen alleine genügen, das grundsätzliche Problem zu skizzieren. Aber ist das nun tröstlich, oder sollten wir vorsichtshalber in Panik ausbrechen?

Halten wir es doch mit Yuval Noah Harari (jawoll, er heißt nicht „Havarie“) und folgen seinem Ratschlag, angesichts der sich auflösenden Weltordnung sowie der sich vor uns auftürmenden Herkulesaufgaben zur Neuerfindung der Menschheit eben gerade nicht „panisch“ zu werden, sondern eher „irritiert, verwirrt und verunsichert“ zu sein. Im englischen Original steht für diese Trias der Befindlichkeit das Wort „bewildered“, und kaum hat man’s gelesen, drängt sich auch schon die Möglichkeit der Trennung in „be“ und „wild“ auf. Diesem auf den Fuße folgt nun die frei assoziierende Erinnerung an eine Postkarte aus der persönlichen Sturm- und Drang-Zeit des Autors dieser Konzertankündigung, die da folgende Zeilen bot: „Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Artur.“

Und so rasend uns das Gehirn über dieses holprige Feld der oszillierenden Gedanken jagt, so tröstlich mag uns diese einfache Formel in allen Lebenslagen zu Diensten sein.

Schließen wir den Kreis: Wir wissen um die Geschichte von der Geburt des Heilands. Wir wissen auch um die Erzählung, dass er kaum 33 Jahre später mit väterlichem Segen nach allen Regeln der Kunst zu Tode gefoltert werden sollte. Was also sollen wir als Irritierte, Verwirrte und Verunsicherte, die wir sind, tun? Nehmen wir ein weiteres Buch zur Hand, zufällig liegt neben dem Lesesessel Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“, und wie von Geisterhand geführt stoßen wir im Vierten Buch sanctus Ianuarius im Kapitel 283 „Vorbereitende Menschen“ auf die Bestätigung: „Denn, glaubt es mir! - das Geheimnis, um die größte Fruchtbarkeit und den größten Genuss vom Dasein einzuernten, heißt: gefährlich leben!“

Bitte genau an dieser Stelle aufhören zu lesen (danach wirds weniger hilfreich) und einfach zum Konzert kommen. Wir bieten bewährtes, tröstliches, immerwährendes, kurz: Wir haben Kunst!

 

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